Essen ist ein Abenteuer

Eltern kennen das Phänomen: Die Aufforderung „Iss das, denn es ist gesund!“ motiviert Kinder ebenso wenig zu Obst und Gemüse wie der Satz „Räum’ dein Zimmer auf!“ zu Sorgfalt und Ordnung in den eigenen vier Wänden. Praktische Hilfestellung im familiären Alltag bietet nun ein farbig illustrierter Buchratgeber, der im Dezember 2007 erschienen ist. Er richtet sich an Familien und alle, die Kinder beim Aufwachsen begleiten. „Essen – ein Abenteuer?!“ heißt das neue Buch. Herausgeber sind der Mehr Zeit für Kinder e.V. und die BARMER.

Die 126 Seiten umfassende Publikation versteht sich nicht als Rezeptsammlung. Vielmehr will sie vermitteln, wie Eltern frühzeitig das Bewusstsein für gesundes Essen bei ihren Kindern wecken und aufrechterhalten können. Denn Lebensfreude, Gesundheit und Wohlbefinden hängen mit der Auswahl dessen, was und wie Menschen essen, eng zusammen.

Fachautoren umreißen das Thema im ersten Teil des Buches wissenschaftlich, aber leicht verständlich. Der Leser erfährt Sachverhalte und Wissenswertes aus dem Blickwinkel der Ernährungswissenschaft, der Medizin, der Psychologie und der Verhaltensbiologie. Auch Erkenntnisse der Traditionellen Chinesischen Medizin und des Ayurveda finden sich in einem der insgesamt elf Kapitel.

Der Hauptteil des Buches beantwortet jedoch die Frage, wie sich gesunde Ernährung mit den Anforderungen des familiären Alltags heute verbinden lässt. Zahlreiche Anregungen von Familien für Familien haben dabei Eingang in das Buch gefunden, die die Herausgeber nach einem bundesweiten Mitmach-Aufruf erhielten: Die Tipps und Ideen reichen von A wie Atmosphäre über E wie Extrem-Picknick bis Z wie Zauberei.

Auch Prominente wie Nina Hoger, Franziska van Almsick und Ursula von der Leyen kommen mit persönlichen Kurzbeiträgen zu Wort. Eine thematisch passende Kurzgeschichte für Kinder ist zum Vorlesen oder Selbstlesen gedacht. „Essen – ein Abenteuer?! – Wie die tägliche Ernährung in der Familie Spaß macht und gesund hält“ gibt es für 14,80 Euro im Buchhandel oder über über www.mehrzeitfuerkinder.de, Tel. 069/156896-0.


Infokasten: Fachautoren

Prof. em. Claus Leitzmann, Ernährungswissenschaftler, Gießen: „Ein Viertel aller Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Ursachen sind neben der falschen Ernährung – zu viel, zu fett, zu süß - besonders der Bewegungsmangel durch die weit verbreitete Nutzung elektronischer Geräte. … Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern essen, gehen deutlich besser mit Angst und Stress um.“

Dr. Heidi Braunewell, Diplom-Biologin und Ernährungsberaterin, Akademie Gesundes Leben, Oberursel: „Süßes bringt zwar schnelle Energie, ist aber wie ein Strohfeuer in null Komma nichts abgefackelt. Von Cornflakes, Toast oder Marmelade merkt das Gehirn schon nichts mehr, wenn das Kind in der Schule ankommt.“

Prof. Paul Enck, Forschungsleiter der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Uniklinik Tübingen: „Unser Körper entscheidet eigenständig nach seinen Bedürfnissen, indem er uns Hunger oder Sattsein signalisiert. Aber natürlich können wir ihn durch unser Verhalten auch täuschen, indem wir mehr essen als wir benötigen oder weniger als wir brauchen.“

Dr. Gabriele Haug-Schnabel, Verhaltensbiologin und Privatdozentin an der Universität Freiburg: „Die Mahlzeitenordnung unterliegt einem sozialen Wandel. Zu beobachten ist eine Essenskultur weg von festen Mahlzeiten mit Ritualcharakter zum kauenden Nebenher während einer anderen Tätigkeit. …Viele Essprobleme kommen erst gar nicht auf, wenn mehrere am Tisch sitzen.“


Bibliographische Angaben

Essen – ein Abenteuer?! – Wie die tägliche Ernährung in der Familie Spaß macht und gesund hält, 2007, 128 Seiten ges., Hg.: Mehr Zeit für Kinder e.V. und BARMER, Hardcover, gebunden, farbig illustriert, 14,80 Euro, ISBN 978-3-9811056-3-6, erhältlich im Buchhandel, über www.mehrzeitfuerkinder.de und Tel. 069/156896-0, Fax -10.


Zehn Spaß-Regeln für Familienessen mit Lust statt Frust
... damit sich alle gerne Zeit dafür nehmen

1. Zusammen Speisen planen, dabei Leibgerichte bevorzugen – so fühlt sich niemand bevormundet.

2. Die echten Bedürfnisse erkennen, von In-den-Arm-nehmen bis Zoff bereinigen, bevor man sich an den Tisch setzt. Verschlafen? Aufgeregt? Dann Kleinigkeiten wie Kakao oder Joghurt anbieten.

3. Reste sind erlaubt, weil das gezielte Wahrnehmen von Sättigung (lebens-) wichtig ist! Aber: beim nächsten Ma(h)l Portionen genauer schätzen.

4. Mittwoch gibt’s Fingerfood: Einmal pro Woche wird besonders locker, dafür an einem anderen Tag besonders „vornehm“ gegessen.

5. Kritik gestattet, aber sachlich: „Das trifft nicht meinen Geschmack“ oder mit einem höflichen „Nein, danke“ ablehnen (und akzeptieren).

6. Ess-Protokoll führen, wenn es (zu) oft am Familientisch knallt. Was sind die Auslöser bzw. was steckt dahinter? Wie Streitpunkte entschärfen?

7. Fachsimpeln über Aussehen, Duft, Geschmack der Speisen und über den Weg von Brot oder Käse. Auch die gemütliche Atmosphäre und das wohlige Sattwerden bewusst ansprechen.

8. Gemeinsam einkaufen und brutzeln steigert die Vorfreude auf das Essen und den Respekt vor der Mühe und Kunst des Kochens!

9. Klein darf es sein: Statt ein oder zwei Riesenportionen lieber öfter mal Minimahlzeiten zwischendurch. So lässt sich der Bärenhunger am besten vermeiden.

10. Abwechslung ist angesagt, am Familientisch und beim Frühstück für die Schule. Jeder darf mal etwas Neues wünschen, und alle probieren mit.

Quelle: Mehr Zeit für Kinder e.V.


Hintergrundinformationen zum Thema gesunde Ernährung

WISSENSWERT

Kindergesundheit und Ernährung


- Übergewicht und Adipositas haben bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland in den letzten 10 Jahren stark zugenommen.

- 15% der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, das sind ca. 1,9 Millionen Betroffene.

- 6,3% leiden an Adipositas (Fettleibigkeit). Das entspricht jedem 16. Kind und jedem 12. Jugendlichen – insgesamt rund 800.000 Betroffene.

- Der Anteil der Übergewichtigen steigt von 9% bei den 3- bis 6-Jährigen über 15% bei den 7- bis 10-Jährigen bis zu 17% bei den 14- bis 17-Jährigen.

- Auf Basis der Daten zu den Referenzpopulationen aus den 1980er und 1990er Jahren ergibt sich ein Anstieg der Zahl übergewichtiger Kinder um 50%.

- Besonders betroffen: Kinder aus sozial schwachen Familien, Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder übergewichtiger Eltern.

- Jedes fünfte Kind weist Symptome einer Essstörung auf.

- 30% der Kinder und Jugendlichen haben Allergien.

- 10% der 10-Jährigen zeigen arteriosklerotische Veränderungen der Gefäße, 17% der Grundschulkinder weisen erhöhte Cholesterin- und Triglyceridwerte auf.

- 8 bis 12% der Kinder leiden unter erhöhtem Blutdruck.

Jährlich erkranken etwa 6.000 Kinder in Deutschland an Diabetes mellitus.

Quelle: Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS), Robert-Koch-Institut im Auftrag der Bundesregierung, 2006

Dicke Erwachsene
Laut einer Studie der International Association for the Study of Obesity (IASO) sind 52,9% der deutschen Männer übergewichtig, 22,5% leiden unter krankhafter Fettsucht. Bei den Frauen haben 35,6% Übergewicht, 23,3% sind adipös. Damit hätten sie als dickste Europäer die Briten von ihrem Spitzenplatz verdrängt. Quelle: IASO, 2007

Das China-Restaurant-Syndrom
Der in vielen Fertiggerichten, Gewürzmischungen, Chips, Fleisch- und Wurstwaren enthaltene Geschmacksverstärker Glutamat kann die Gesundheit stark beeinträchtigende Nebenwirkungen hervorrufen. Eine solche Glutamat-Allergie wird auch als China-Restaurant-Syndrom bezeichnet: Der Geschmacksverstärker ist in Japan bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt und den meisten asiatischen Gerichten zugesetzt. Glutamat, das teure Rohstoffe einsparen hilft, steht im Verdacht, Hyperaktivität bei Kindern zu fördern.
Quelle u.a.: Grimm, Hans-Ulrich, Die Ernährungslüge, Knaur Taschenbuch, München 2005

Neue nationale Verzehrstudie

Im April 2008 soll eine neue Nationale Verzehrstudie II veröffentlicht werden. Die Datenerhebung ist seit Dezember 2007 abgeschlossen. Die letzte vergleichbare Erhebung liegt mehr als 20 Jahre zurück. Die neue Studie soll die aktuellen Ernährungsgewohnheiten der Deutschen beleuchten und dabei auch geänderte Rahmenbedingungen wie den häufigeren Besuch von Fast Food- und Imbiss-Ketten berücksichtigen. Die Kosten ernährungsbedingter Erkrankungen betragen insgesamt rund 70 Milliarden Euro jährlich, etwa ein Drittel aller Gesundheitskosten.

Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz, www.was-esse-ich.de


MENSCHLICH

Kindheitserinnerungen

Befragt nach ihren Kindheitserinnerungen rund um das Essen, erinnern sich die meisten Erwachsenen als erstes an negativ besetzte Szenen und Situationen. Quelle: nicht repräsentative Befragung des Mehr Zeit für Kinder e.V., Frankfurt, Januar 2008

Futterneid
Essende Menschen stoßen stets auf das Interesse ihrer Umgebung. Wann immer jemand etwas Essbares in der Hand hält oder gerade verzehrt: Vorbeilaufende Mitmenschen schauen bewusst oder unbewusst hin, um zu sehen, was der andere da isst.
Und ein immer wieder festzustellendes Phänomen bei TV-Abenden: Sobald im Fernsehen jemand etwas isst oder knabbert, kommt der Wunsch nach etwas Essbarem auch in der Runde vor dem Fernseher auf.
Quelle: Alltagsbeobachtungen des Mehr Zeit für Kinder e.V., Frankfurt, Januar 2008


KURIOS

Zu langsam gegessen
Im englischen Gatwick wurde ein Mann zu 170 Euro Strafe verdonnert, weil er bei einer bekannten Fastfoodkette sein dort gekauftes Mittagessen auf dem hauseigenen Parkplatz verspeiste und dafür eine Stunde statt der maximal vorgeschriebenen 45 Minuten brauchte.
Quelle: dpa, 11.12.2007

Pizza der Zukunft?
In den USA, in Japan und China, aber auch in Europa arbeiten viele Lebensmittel-Unternehmen bereits an sogenanntem Nanofood. Durch kleine Nanokapseln, die entsprechende Geschmacks- und Farbstoffe enthalten und ihre Fracht erst im speziell auf sie zugeschnittenen Temperaturbereich freigeben, könnte eine Art Nano-Multi-Geschmack-Pizza Wirklichkeit werden, die sich entweder in eine "Margherita", eine "Prosciutto e funghi" oder eine "Quattro stagioni" verwandeln kann – je nachdem, ob sie in der Mikrowelle bei 400, 800 oder 1600 Watt erhitzt wird.
Quelle: Vollborn, Marita; Vlad D. Georgescu, Die Joghurt Lüge, Campus Verlag, Frankfurt/Main 2006


FILMISCH

Essen im Film
Viele berühmte Filme servierten ihrem Publikum Szenen und Themen rund um das Essen, nicht immer auf sehr appetitliche Weise. Doch einige sorgten dafür, dass sich zumindest Filmrezensenten und Kinobesucher Gedanken machten über die schöne Verbindung von Essen und bewusstem Genießen, wie zum Beispiel: Babettes Fest, 1987; Chocolat, 2000 oder der Zeichentrickfilm Ratatouille, 2007.

 

Selbstgekochtes schmeckt besonders gut. Und gemeinsames Kochen macht Spaß – wenn kleine und große Kinder auch wirklich richtig mithelfen und mitbestimmen dürfen. Illustration: Tobias Borries / Mehr Zeit für Kinder e.V. Bei Lebensmitteln gibt es „Starkmacher“, die uns gut tun und „Schwachmacher“, die wir eher nicht so oft essen sollten. Illustration: Tobias Borries / Mehr Zeit für Kinder e.V. Was das Gehirn zum Frühstück mag: Haferflocken mit Milch oder Joghurt und Obst zum Beispiel. Das gibt Energie über längere Zeit. Illustration; Tobias Borries / Mehr Zeit für Kinder e.V.
Beim Bio-Bauern genießen Kühe größere Freiheit. Illustration: Tobias Borries / Mehr Zeit für Kinder e.V. Hinter der Darmwand lauert das Immunsystem. Hin und wieder kommen die Körperpolizisten“ heraus, prüfen ob alles in Ordnung ist und ziehen sich wieder zurück. Das ist wichtig, damit die richtigen Nährstoffe optimal aufgenommen werden. Illustration: Tobias Borries / Mehr Zeit für Kinder e.V. Abenteuer – das ist für Kinder auch der Reiz des Ungewöhnlichen, wie zum Beispiel ein Picknick im Auto, auf das der Regen lautstark prasselt. Illustration aus „Essen – ein Abenteuer?!“; Tobias Borries / Mehr Zeit für Kinder e.V.

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